Posting. Überhaupt: Posting. Es fehlt nicht der Ironie, beim Dokumentieren der Gegenwart Posts zu verfassen.

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Ich hatte vergessen, dass ich in Südtirol Autofahren wollte. Auch ich habe jetzt, mit 18 Jahren Verspätung, einen Führerschein. Ich habe allen versprochen, dass ich sie herumfahre. Vater kommt mich abholen, steigt aus, reicht mir den Schlüssel und ich stehe ein bisschen verdutzt am Auto. Ich bin noch in Bahn-und-Berlin-Modus, das ist so weit vom Autofahren weg, wie [irgendein blöder Vergleich]. Ich habe vergessen, dass ich das mit dem Autofahren ernst meinte.
Autofahren in Bozen ist so anders als in Berlin. Die deutschen Autofahrer sind diszipliniert und genau, die Straßen sind breiter. In Bozen ist alles eng, man schlängelt und improvisiert. Das liegt mir nicht so, ich bin unerfahren und brauche Verlass.

13:20
Wir holen meine Schwester Astrid von der Arbeit ab. Sie arbeitet in Bozen-Gries. Sie muss noch fünfzehn Minuten etwas zu Ende bringen. Inzwischen warten mein Vater und ich draußen auf der Straße. Wir treffen einen Bekannten meines Vaters. Er bleibt stehen und unterhält sich mit uns. Wir reden über Autos. Mein Vater überlegt einen dieser kleinen A-Klasse Mercedes zu kaufen. Die seien ja so günstig. Ich kann endlich mitreden, es freut mich eine Meinung zu haben, ich sage, ich würde nur Opel Corsa kaufen, Opel Corsa seien solide und gut. Das weiß ich, weil meine Carsharing Station einen Opel Corsa bereithält. Das ist das Auto, das ich immer erwische. Viel mehr kenne ich nicht. Aber immerhin genug, um eine Meinung zu haben.
Man nickt. Opel Corsa findet man okay.

Auf der Landstraße fahre ich vierzig, weil ich mich nicht traue, einen Fahrradfahrer zu überholen. Ein dicker Lancia hupt hinter mir. Ich erschrecke. Mein Vater sagt, ich solle dem Arsch den Mittelfinger zeigen, der Arsch überholt mich, ich schaue verschämt gerade aus, und versuche eine Miene des moralischen Siegers zu ziehen, was mir nicht sonderlich gelingt. Mein Vater macht Zeichen.

14:30
Bei meiner Schwester Sigrid in Meran begrüßen uns erst die Kinder, wir besprechen alles, was wir in den letzten Monaten verpasst haben, Mutter ist auch da, sie kocht eine Pastasciutta.

15:45
Endlich mit Haimo telefoniert. Haimo ist einer der Organisatoren der Veranstaltung. Ein Freund aus früheren Tagen. Wir wollen uns um fünf in der Casa della cultura gegenüber dem Minigolf treffen. Ich will nicht früher hingehen. Ich kenne die Leute dort nur flüchtig. Wobei: mit Piet habe ich vor zwanzig Jahren einmal Theater gemacht. Er war unser Regisseur und ich habe positive Gefühle, wenn ich an ihn denke. Haimo hat mir erzählt, Piet habe ein Buch geschrieben. Ich weiß nichts darüber, das kann aber nur spannend sein, ich werde mich nachher erkunden.

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